Fake-Bewertungen? Finger weg!

Beitragsbild Fake Bewertungen

Ein Restaurant landet bei Tripadvisor in London auf dem ersten Platz, kann sich vor Anfragen kaum retten und hat dennoch ein noch größeres Problem – es existiert überhaupt nicht. Aber wie konnte das passieren? Ein Journalist hatte in einem Selbsttest zeigen wollen, wie einfach es ist, mit Fake-Bewertungen ein Restaurant bekannt zu machen und tatsächlich Menschen davon zu überzeugen, gerade an diesem Ort unbedingt essen gehen zu wollen.
Der Erfolg verwundert wenig, denn mehr als 90% aller Internetnutzer lesen Bewertungen im Internet. Für zwei Drittel aller Onlinekäufer sind Bewertungen anderer Kunden wichtig, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen oder ein Restaurant besuchen.
Bewertungen haben also einen sehr großen Einfluss auf Kaufentscheidungen im Internet und dieses – zugegebenermaßen sehr lustige – Experiment hat wieder einmal deutlich gemacht, dass es ein großes Problem mit Fake-Bewertungen im Internet gibt. Denn mehr als jeder zweite Nutzer hält Bewertungen generell für vertrauenswürdig.
Und viele Experten gehen mittlerweile davon aus, dass mindestens 20% aller Bewertungen nicht echt sind. Die Dunkelziffer ist möglicherweise noch höher.
E-Commerce Experten gehen sogar so weit und behaupten, dass ganze Produkte aufgrund von guten Bewertungen im Internet überhaupt erst populär werden und anders herum schlecht Bewertete Artikel teilweise komplett vom Markt genommen werden müssen, da sie nicht mehr verkäuflich sind – egal, ob die negativen Rezensionen nun echt oder gefälscht sind.

Warum gibt es Fake-Bewertungen?

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Wieso Fake-Bewertungen entstehen oder sich lohnen, liegt auf der Hand: ohne Bewertungen lassen sich Produkte oder Dienstleistungen kaum mehr verkaufen.
Im E-Commerce ist der Nutzen von gefälschten Bewertungen recht eindeutig: Produkte oder Dienstleistungen, die viele positive Bewertungen erhalten, können mitunter einen Umsatzanstieg von rund 30 Prozent verzeichnen. Dies liegt nicht alleine an dem Vertrauen vieler Käufer in die Bewertungen, sondern auch an den Suchalgorithmen vieler Suchmaschinen oder Online-Marktplätzen. Viele und positive Bewertungen können dabei helfen, das Produkt in den Suchergebnissen höher zu platzieren. Dann folgt der Herdentrieb, dass viele Nutzer Artikel kaufen, die von vielen anderen zufriedenen Nutzern zuvor gekauft wurden. Welche Formen von Fake-Bewertungen gibt es? Fake-Bewertungen können aus unterschiedlichen Quellen entstehen. So gibt es den Fall, vor allem bei Produkten aus dem asiatischen Raum, dass für diese nach Markteinführung sehr viele Bewertungen in sehr kurzer Zeit abgegeben werden. Man kann vermuten, dass entweder die Produzenten oder die Reseller selbst diese Bewertungen verfassen lassen, um von den bereits beschriebenen Vorteilen zu profitieren. Für eine aussagekräftige Bewertung braucht es immer ausreichend Zeit, um das Produkt oder den Dienst zu testen. Wird wenige Stunden nach einem Kauf schon eine Bewertung abgegeben, dann ist dies oft ein Indiz für eine Fake-Bewertung. Dieses Vorgehen scheint in hohem Maße systematisiert zu sein und kann gerade für ehrliche Händler ein großes Problem darstellen.

Aber auch andere Unternehmen bewerten sich oder ihre Produkte hin und wieder gerne selbst oder lassen das durch ihre Mitarbeiter erledigen. Teilweise kann es auch vorkommen, dass Konkurrenzprodukte oder Mitbewerber gezielt schlecht bewertet werden, um diese aktiv zu schädigen. Allerdings scheint dies nach aktuellen Studien nur einen sehr kleinen Teil aller Unternehmen zu betreffen.

Seit Jahren gibt es ebenfalls einen relativ großen Markt von „Incentivized Reviews“. Tatsächlich war und ist diese Form von Bewertung ein gutes Geschäft für viele Personen gewesen. Bei diesem Modell bekommen sogenannte Produkttester die entsprechenden Artikel kostenlos zugeschickt. Unternehmen erwarten im Gegenzug eine ausführliche und sehr positive Bewertung. Dass dieses Modell natürlich in den meisten Fällen die Objektivität der Rezensenten zumindest beeinflusst, haben auch große Online-Marktplätze erkannt. Auch Amazon starte vor einiger Zeit ein rigoroses Vorgehen gegen dieses Modell und ließ dieses nur noch durch sein eigenes Incentive-Programm „Vine“ zu. Wie neuerdings in Studien belegt wurde, scheinen diese Maßnahmen nicht richtig zu wirken – im Gegenteil. Offenbar lässt sich gerade in den letzten Monaten ein deutlicher Anstieg positiver Bewertungen auf dem Marktplatz beobachten.

Ein sehr einfacher Weg ist, sich einfach Bewertungen, Likes oder Follower zu kaufen. Hierfür gibt es viele Webseiten und Anbieter, die für wenig Geld sehr viel versprechen, und leider oft nur wenig davon halten.

Bewertungen, Likes oder Follower kaufen

Beitragsbild Warnung vor Kauf von Fake-Bewertungen

Mit wachsender Bedeutung von Social Media Kanälen für Unternehmen, werden ebenfalls gerne Likes, Follower und Views gekauft, um entweder darüber seine Produkte besser zu verkaufen oder die Bekanntheit beziehungsweise den Marktwert des eigenen Unternehmens zu steigern. Dass gerade dort der Erfolg nur gefühlt ist, macht vielen, die auf solche Methoden zurückgreifen, nicht viel aus. Denn alleine Social Signals (Feedback in sozialen Netzwerken) sind nicht das wichtigste Kriterium. Viel mehr sind es Interaktionen, wie Shares von Beiträgen durch reale Nutzer, die wirklichen Einfluss haben.

Bewertungen, Likes, Follower oder Views zu kaufen scheint der einfachste Weg zu sein, die eigenen Produkte oder das Unternehmen zu pushen. Mit wenigen Klicks bekommt man genau das, was man haben möchte: Likes von Personen aus bestimmten Regionen in einem gewissen Alter, Produktbewertungen sogar mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern, um diese authentischer erscheinen zu lassen. Auch hier hat sich ein richtiges Ökosystem entwickelt, welches jedem ermöglicht, auf unterschiedliche Weisen an die heiß begehrten Bewertungen zu kommen. Als sehr bekannte Plattform wird immer wieder Fiverr benutzt um – wie der Name schon sagt – für fünf US-Dollar kleine Dienstleistungen einzukaufen. Allerdings gibt es auch eigens dafür entwickelte Webseiten, die es sehr einfach mit Schieberegelern ermöglicht, genau das zu bestellen, was man benötigt.

Preise um 100€ für 100 positive Facebook-Kommentare oder zwölf Bewertungen auf Tripadvisor und die Aussicht die Verkäufe anzukurbeln führen den ein oder anderen dann doch in Versuchung.

Ebenfalls haben sich einige sogenannte Text-Agenturen darauf spezialisiert, „echte“ Bewertungen von professionellen Schreiberlingen verfassen zu lassen. Dieser Service ist bedeutend teurer und diese Agenturen versuchen krampfhaft, ihr Geschäftsmodell seriös erscheinen zu lassen.

Warum sind Fake-Bewertungen ein Problem?

Beitragsbild Finger weg von Fake-Bewertungen

Gefälschte Bewertungen können zu unterschiedlichen Problemen führen und den Auftraggebern gewaltig auf die Füße fallen. Zum einen führen Fake-Bewertungen zu einer erheblichen Marktverzerrung. Es ist klar, dass gut und viel bewertete Produkte öfter gekauft werden – obwohl diese vielleicht eine minderwertige Qualität oder einen ungerechtfertigten Preis haben. Zum anderen besteht die Gefahr, falls ein Kunde bemerkt, dass Bewertungen gefälscht wurden. Dann ist die Vertrauensbeziehung dauerhaft beschädigt und er wird kaum noch bei diesem Unternehmen einkaufen. Beim genauen Lesen von Bewertungen fallen gerade offensichtliche Fälschungen sehr schnell auf. Wie Sie gefälschte Bewertungen erkennen erfahren Sie hier.

Auch rechtlich gibt es viele Fallstricke, in die Sie laufen können. Gefälschte Bewertungen sind unlauterer Wettbewerb, Irreführung und Schleichwerbung. Außerdem können diese Abmahnungen von Konkurrenten provozieren. Und dies sind nur wenige von vielen Problemen, die dabei entstehen und richtig Geld und Arbeit kosten können.
Wirklich existenzbedrohend kann diese Praxis für Händler werden, die von großen Online-Marktplätzen abhängig sind. Im besten Fall werden gefälschte Bewertungen nur gelöscht und die Umsätze gehen zurück. Doch Händler können auf den Marktplätzen ebenfalls dauerhaft gesperrt werden und verlieren dadurch auf einen Schlag die mühsam aufgebaute Reputation vieler Jahre. Ein kompletter Umsatzeinbruch kann zur Insolvenz führen und möglicherweise viele Mitarbeiter betreffen, die treu und jahrelang für das Unternehmen gearbeitet haben. Ob es Wert ist dieses große Risiko einzugehen und so verantwortungslos zu handeln, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden.
Es gibt noch einen weiteren Grund, der gegen gekaufte Bewertungen spricht. Wirklich authentische und echte Produkt- oder Händlerbewertungen können dem Unternehmen wichtiges Feedback über die Produktqualität oder den eigenen Service und Support geben. Was nützt es, wenn unzufriedene Kunden ein minderwertiges Produkt sofort nach Erhalt wieder zurückschicken und man durch scheinbar positives Feedback übersieht, dass es an vielen Stellen beim Support und in der Logistik hakt? So werden dringend erforderliche Verbesserungen in vielen Bereichen nicht erkannt oder übersehen. Dies führt zu Stillstand und der führt in der Regel zum Scheitern.

Fake-Bewertungen lohnen sich vielleicht auf den ersten Blick, auf den zweiten aber auf keinen Fall. Also Finger weg, denn: Ehrlichkeit währt am längsten.

Artikel: Tripadvisor Fake-Restaurant